Jägersprache


Jägergruß

Der typische Jägergruß ist „Waidmannsheil“, dieser Gruß wird aber auch als Glückwunsch zu einer gejagten Beute verwendet, worauf man unter Jägern mit einem „Waidmannsheil“ antwortet, obwohl dieser Dank auch als Antwort auf einen Gruß von einem Nichtjäger verwendet wird.

Jagd und Jägersprache

Schon ab dem 12. Jahrhundert entwickelte sich die Jägersprache als eine umfangreiche „Sondersprache" mit heute rund 3000 Begriffen. Sie umfasst Begriffe mit Jagdbezug aller Art, Bezeichnungen zu jagdlichen Vorgängen, zu Lebenszeichen, zu Körperteilen und zu den Aufenthaltorten des Wildes, der Jagdhunde und der Beizvögel. Die Waidmannssprache ist bildhafter Ausdruck über das Verhalten des
Wildes, dessen Körperbau und die Tätigkeiten des Jägers.  Sie war bei ihrer Entstehung eine Fach- und Standessprache und markierte die Sonderstellung und Spezialisierung der höfischen Berufsjäger. Verstöße gegen die in mündlicher Tradition weitergegebene Sprachregelung wurden als grobe Missachtung des Standesgefühls angesehen und bestraft. 


Sie zählt somit heute zu den ältesten noch lebendigen Zunftsprachen. Jäger pflegen seit Jahrhunderten eine eigene, sehr bildhafte Ausdrucksweise. Während des letzten Jahrtausends sind im germanischen Sprachraum weit über 10.000 jagdliche Begriffe geprägt worden, von denen noch ca. 3.000 im alltäglichen Gebrauch zu finden sind. Auch im täglichen Leben eines "Nicht-Jägers" sind Teile davon allgegenwärtig: So ist einem bestimmt schon mal etwas "durch die Lappen" gegangen (=> Lapp-Jagd: Abgrenzung der zu bejagenden Fläche mit alten Stoffstücken / Lappen, vor denen das Wild zurückschreckt und eine andere Richtung einschlägt; durchbricht ein Tier diese "Sperre aus Lappen" und kann somit nicht mehr von den Jägern im umsäumten Gebiet gejagd werden, so ist das Stück "durch die Lappen gegangen";), man hat jemanden "auf's Korn genommen" (=> Korn als Visiereinrichtung bei der Jagdflinte) oder einen "Bock geschossen" (=>Rehwild als weibliches Tier angesprochen und erlegt, obwohl es ein männliches Stück, also Bock war => nicht frei war => Fehler).

Mittels Jägersprache können mit wenigen Worten sehr präzise Angaben gemacht werden. Ihr bildhafter Wortschatz gründet auf uralter Überlieferung, genauer Beobachtung und dient der anschaulichen Beschreibung von Wild- und Natur. Jeder gute Jäger versteht sich in der Waidmannssprache auszudrücken und ermöglicht es ihm, jagdlich wichtige Feinheiten kurz und prägnant zu kommunizieren. Die Jägersprache dient damit einer präzisen Verständigung zwischen Jägern. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:

 

 

"Der reife, noch rote Eissprossenzehner zog orgelnd über den Wechsel in den Einstand." 

 Mit der normalen Sprache ist dies kaum darstellbar. Gäbe es keine Jägersprache, müsste der Jäger statt dieses kurzen Satzes folgende Erklärung abgeben:

"Der etwa zehn- bis zwölfjährige Hirsch, der noch das rote Sommerfell trug und ein Geweih mit zehn Zacken hatte - das Geweih hatte noch die Besonderheit, nach den jeweils untersten Zacken zwei verkümmerte Zacken zu haben - ging langsam, immer wieder kräftige Paarungslaute von sich gebend, auf dem Steig, den das Rotwild seit eh und je benutzt, in jenen Waldteil, den der Hirsch jetzt in der Paarungszeit als bevorzugten Tagesaufenthaltsort ausgesucht hat."


Waidmannsprache 

A

Aalstrich

Dunkler Strich auf dem Rücken von Hirsch- und Gamswild und mancher Hunde

abäsen

abfressen von Pflanzen

abbalgen

Abziehen der Haut bei Niederwild, außer Rehwild, einschließlich allem Federwild

aufbaumen

abfliegen der Waldhühner vom Baum ( abreiten ) hinabspringen oder hinabklettern von Raubwild

abbeißen

Haarraubwild zwingt die Jungen seinen Lebensbereich zu verlassen

abblasen

Jagdhornsignal zum Ende des Treibens

abbrunften

brunftunwillig, körperlich geschwächt

abbrüten

beenden der Brutzeit

abfährten

nach Fährten absuchen

abfallen

Wild und Hund werden mager; Abspringen des männl. Stückes nach dem Beschlag abkommen des Schweißhundes von der Fährte

abfangen

Töten von Schalenwild mit blanker Waffe

abfedern

Töten von Flugwild

abführen

Hunde abrichten

abgehen

Flüchtigwerden des Wildes

abhalsen

dem Hund die Halsung abnehmen

abkämpfen

Abbrechen von Enden durch Brunftkämpfe; Vertreiben von Rivalen in Brunft- und Balzzeit

Abkommen

Visierung des Gewehrs Ansicht des Schützen über seinen Schuss
Abmagern des Hundes; Ablegen der Hund bleibt auf Befehl auf seinem Platz

abliebeln

oben

abnicken

Wild durch Stich ins Genick töten

abnorm

regelwidrig

abreiten

Fortfliegen von Auer- und Birkwild

abschärfen

abziehen der Schwarte bei Dachs und Decke beim Bären

abschlagen

Töten von Hasen durch Schlag hinter die Löffel

abtrennen des Gehörns

abschwarten

Abziehen der Schwarte bei Schwarzwild und Dachs

Absehen

Zielvorrichtung an der Büchse

absprengen

ein Stück wird vom Rudel fortgetrieben

abspringen

Schalenwild wird flüchtig

Absprung

Stelle an der W